Öl, Acryl, Aquarell und Gouache binden ihr Pigment allesamt in irgendeiner Art Bindemittel, aber genau dieses Bindemittel – und vor allem, wie es sich beim Trocknen verhält – ist der Punkt, an dem sich die vier Medien wirklich unterscheiden. Das Bindemittel von Ölfarbe trocknet extrem langsam, manchmal über Tage hinweg; das synthetische Bindemittel von Acrylfarbe trocknet innerhalb von Minuten; das Bindemittel von Aquarellfarbe bleibt dauerhaft wieder anfeuchtbar, sodass getrocknete Farbe mit Wasser reaktiviert werden kann; und Gouache liegt zwischen Aquarell und dichteren Farben – deckend, aber weiterhin mit Wasser überarbeitbar. Allein dieser Unterschied in Trocknungszeit und Überarbeitbarkeit prägt fast alles daran, wie ein Maler in jedem dieser Medien ein Bild tatsächlich planen und ausführen muss.
Wie lange eine Farbe bearbeitbar bleibt, bestimmt, wie ein Maler ein Bild überhaupt aufbauen kann
Die langsame Trocknungszeit von Ölfarbe erlaubt es einem Maler, Farben über eine lange Arbeitssitzung hinweg direkt auf der Leinwand zu vermischen, Kanten weichzuzeichnen und Töne Nass-in-Nass zu mischen, ohne dass Eile nötig wäre, während die schnelle Trocknung von Acryl einen Maler zwingt, entweder schnell zu arbeiten, um noch vor dem Antrocknen zu vermischen, oder das Bild bewusst aus getrennten, bereits getrockneten Schichten aufzubauen. Die Transluzenz und dauerhafte Wiederanfeuchtbarkeit von Aquarellfarbe treibt die Malerei in eine ganz andere Richtung: Sie begünstigt einen Aufbau von Hell nach Dunkel, bei dem das weiße Papier selbst die hellsten Werte des Bildes liefert, denn Aquarell hat keine verlässliche Möglichkeit, Licht über eine bereits dunkle Stelle zurückzumalen, wie es ein deckendes Medium kann.
Ein Medium zu wählen bedeutet in Wahrheit, eine Arbeitsmethode zu wählen
Weil diese Unterschiede in Trocknung und Überarbeitbarkeit so grundlegend sind, ist die Wahl eines Malmediums nicht in erster Linie eine ästhetische Vorliebe für das endgültige Erscheinungsbild der Oberfläche; sie ist eine echte, praktische Entscheidung darüber, welche Arbeitsmethode eine Malsitzung tatsächlich erfordert, ob sich Fehler leicht übermalen oder korrigieren lassen, und wie viel Zeit eine einzelne Sitzung realistischerweise erlaubt. Ein Maler, der ein Medium beherrscht, muss beim Wechsel zu einem anderen oft echte, substanzielle Teile seines Prozesses neu lernen, gerade weil das zugrundeliegende Bindemittelverhalten – nicht nur die sichtbare Farbe – so viel daran ändert, wie das Bild tatsächlich entsteht.
Wo wir uns noch nicht sicher sind
Dass sich diese vier Malmedien grundlegend im Trocknungsverhalten ihres Bindemittels unterscheiden, und dass dieser Unterschied jeweils echte, eigenständige Arbeitsmethoden bedingt, ist gut belegte, ausführlich dokumentierte Ateliererfahrung, die bei den älteren Medien Jahrhunderte und bei Acryl Jahrzehnte zurückreicht. Wirklich strittiger Gegenstand fortlaufender Fachdebatten ist, wie direkt Techniken und Arbeitsgewohnheiten für einen praktizierenden Maler tatsächlich zwischen Medien übertragbar sind, denn manche Fertigkeiten – etwa das Gespür für Farbmischung oder kompositorische Planung – lassen sich recht direkt übertragen, während andere – insbesondere Timing und Schichtstrategie – überhaupt nicht sauber übertragbar sind, und Maler und Lehrende haben nach wie vor unterschiedliche Ansichten darüber, wie viel medienübergreifende Technik wirklich mitgenommen werden kann und was für jedes Medium neu gelernt werden muss.
Das gehört zum Thema Malmedien (Öl, Acryl, Aquarell, Gouache), eines von sieben Themen im Bereich Malerei, einem von fünf Bereichen im Fach Kunst, einem von siebzehn Fächern, zu denen dich die App abfragen kann.